Kategorien Archiv: Ausstellungen

Let’s print in Leipzig

Immaterielles Kulturerbe und zeitgenössische Druckgrafik aus Leipzig

Internationaler Künstlerworkshop (20.-31.8.2018) und Ausstellung (2.9.-11.11.2018)

„Let’s print in Leipzig“ ist eine neue Kooperation dreier künstlerischer Druckwerkstätten (stein_werk. Werkstatt für Lithografie und Buchdruck / Thomas Franke, Atelier für Radierung Leipzig / Maria Ondrej, atelier carpe plumbum / Thomas Siemon) aus Leipzig mit dem Museum für Druckkunst. Von den Akteuren wurden neun internationale Künstlerinnen und Künstler nach Leipzig eingeladen. Im Rahmen eines Künstlerworkshops arbeiten sie vom 20. bis 31. August im Museum für Druckkunst an den historischen Pressen und schaffen neue grafische Arbeiten.

Das Besondere des Workshops ist das experimentelle Format. Nur in den historischen Werkstätten des Museums für Druckkunst können gleichzeitig drei verschiedene, als immaterielles Kulturerbe anerkannte Drucktechniken (Hoch-, Tief- und Flachdruck) künstlerisch genutzt werden. Die Ausstellung „Let’s print in Leipzig“ zeigt die Arbeitsergebnisse sowie weitere grafische Arbeiten. Beteiligte Künstler: Luke Carter (Leipzig und Bristol, GB), Sebastian Gögel (Leipzig), Pascale Hémery (Paris, F), John Jacobsmeyer (New York, USA), Yvette Kießling (Leipzig), Marie Carolin Knoth (Leipzig), Ellen Möckel (Berlin), Robert Schwark (Berlin), Thomas Widmer (Winterthur, CH).

Beitrag zum Jahr des europäischen Kulturerbes und zum Gutenberg-Jahr 2018. Begleitprogramm mit Führungen und Workshops: https://bit.ly/2tyhJo0

Günther Uecker – Huldigung an Hafez

Ausstellung im Museum für Druckkunst Leipzig

22. Oktober 2017 bis 14. Januar 2018

Aus dem Werkzyklus Huldigung an Hafez © 2016 Guenther Uecker, Kunstverlag Till Breckner; Fotos Ivo Faber

Günther Uecker zählt zu den bedeutendsten und international bekanntesten deutschen Künstlern der Gegenwart. Neben seinen Nagel-Objekten befasst er sich bereits seit den 1970er Jahren mit der Verwandlung von Texten in geschriebene Bilder. Vor allem Schriften aus außereuropäischen Ländern inspirierten ihn. Seit 2013 beschäftigte er sich mit dem Werk des persischen Dichters und Mystikers Hafez und schuf einen 42-teiligen Werkzyklus. Die Sieb-, Präge- und Sanddrucke werden ergänzt durch vollständige Ghaselen (eine poetische Versform) aus Hafez‘ Diwan auf Persisch und vom Künstler ausgewählte und handschriftlich umgesetzte Zitate auf Deutsch. Dabei wurden Wörter zu Farben und ruhige Blätter wechseln sich mit intensiven ab.

Mit „Huldigung an Hafez“ schuf Uecker nicht nur ein ausdrucksstarkes druckgrafisches Werk, sondern auch ein Plädoyer für die Wahrnehmung fremder Kulturen und vor allem eine Unterstreichung des Gemeinsamen, Verbindenden zwischen allen Kulturen.

 

Aus dem Werkzyklus Huldigung an Hafez © 2016 Guenther Uecker, Kunstverlag Till Breckner; Fotos Ivo Faber

Begleitprogramm:

Öffentliche Führungen: sonntags, 12 Uhr: 22.10.17, 19.11.17, 7.1.18

Führungen 60+: dienstags, 15 Uhr: 24.10.17 (Ganztags ermäßigter Eintritt für Besucher 60+)

www.druckkunst-museum.de

Südkorea: Ulsan Woodcut Festival 2017

Aus Südkorea berichtet Manfred Egger

Über die freundliche Vermittlung durch Georg Lebzelter wurde mir heuer im Frühling die für mich durchaus sehr ehrenwerte Aufgabe zuteil, für das 6th Ulsan Woodcut Festival 2017 eine kleine Auswahl österreichischer HolzschneiderInnen zusammenzustellen und für die Ausstellung in Südkorea zu nominieren.
Das Ulsan Woodcut Festival lädt traditionell neben den am zahlreichsten vertretenen südkoreanischen HolzschneiderInnen immer 3-4 Gastländer ein, um so eine Internationalisierung und intensivere Einblicke in andere Holzschnitt-Kulturen zu erreichen, ohne dabei durch eine auch mögliche Einladung vieler Gast-Länder eher zu zersplittern als zu vertiefen. Nach den letztjährigen Gastländern China, Japan und Polen war diesmal der Schwerpunkt mehr auf Europa gerichtet, und so konnten heuer jeweils fünf KünstlerInnen aus Österreich, Finnland, der Tschechischen Republik und Thailand je 2 Arbeiten nach Ulsan schicken. Die österreichischen TeilnehmerInnen waren Angelika Fink aus Salzburg, Desislava Unger aus Wien, die beiden Vorarlberger Hugo Ender und Günter Bucher und Manfred Egger aus Tirol.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung konnte man den Eindruck großer Professionalität spüren, erst recht dann anlässlich der Ausstellung selbst. Die Arbeiten wurden jeweils nach Ländern gesammelt nach Ulsan gesandt, dort in einem Rahmenstudio fachmännisch und dezent (ohne Glas) gerahmt und schließlich vor Ort, im Ulsan Culture & Arts Center, großzügig und umsichtig gehängt.  Die süd-koreanischen Holzschnitte wurden in drei großen Räumen im Erdgeschoß, die Arbeiten der Gastländer im ersten Obergeschoß, mit großer Lichtkuppel, präsentiert.  An die 100 Drucke wurden so klug und einfühlsam gruppiert und dem Publikum vorgestellt. Zusätzlich konnte man in jedem Raum von geschultem Personal Informationen und Auskünfte einholen.  Im geräumigen Innenhof des Center wurden überdies mehrere Ausstellungszelte platziert. Darin präsentierten eine Reihe von Studenten ihre Arbeiten, die dabei ein sehr weites Spektrum des Mediums Holzschnitt vorführten – von traditionellen Drucken, Bildfindungen im Sinne eines “Tafelbildes”, bis hin zu Arbeiten auf Papier, das letztens zu Schirmen, Fächern, Leporellos, Künstlerbüchern, Figuren aus dem bedruckten Papier, etc. weiterbearbeitet wurde.  Daneben konnten die Besucher Informationsmaterial studieren, aber auch selbst von vorbereiteten Druckplatten Motive aus Ulsan und Korea von Hand abziehen.  Auch T-Shirts und Tragtaschen konnten im Siebdruck mit dem Logo des Woodcut Festivals und jeweils weitern Motiven bedruckt werden. Dies mag auf den ersten Blick etwas kommerziell oder zu wenig seriös erscheinen, andererseits ergibt sich so aber auch ein erster Schritt zur Thematik hin, und die meisten Besucher erfreuen sich letztlich sehr an Selbstgefertigtem und erleben so auch die Technik im Selbstverfahren hautnah.
Neben diesem “Umfeld-Programm” wurde auch ein Seminartag mit Vorträgen zum Thema “Holzschnitt” abgehalten.  Dabei sprach die südkoreanische Kunsthistorikerin und selbst Holzschnittkünstlerin Bae Nam Kyung über neuere Entwicklungen des koreanischen Holzschnittes (was in etwa den Zeitraum ab der Befreiung Koreas von den Japanern bis heute umfasst), Annu Vertanen (Prof. an der Academy of Fine Arts in Helsinki) über die finnische Situation im 20/21.Jahrhundert, und ich durfte allgemein zur Entwicklung des europäischen Holzschnittes (im Gegensatz zur Entwicklung in Asien) und einigen ausgewählten österreichischen Vertretern der Gegenwart (Erich Steininger, Robert Hammerstiel, Michael Schneider u.a.) referieren. Die Reden aller Vortragenden wurden dabei in einer zweisprachigen Broschüre aufgelegt.

 

Zur Ausstellung erschien ebenfalls ein umfassender Katalog, der neben einführenden und einigen allgemeinen Beiträgen vor allem jeweils eine Arbeit aller Teilnehmer umfasst. Auch dabei legten die Veranstalter größten Wert auf Qualität.
Ob sich in der Ausstellung allgemeine Trends des zeitgenössischen Holzschnittes oder spezifische Unterschiede zwischen den einzelnen Teilnehmerländern finden lassen, ist eine schwierige Frage. Gemeinsam ist allen teilnehmenden Ländern sicherlich eine Erweiterung des klassischen Holzschnittes in Richtung experimenteller Drucktechniken und Mischtechniken. Einzelne KünstlerInnen versuchen immer wieder, ihre Arbeiten inhaltlich und technisch in eine ganz bestimmte, sehr persönliche Richtung zu entwickeln. Ob es sich dabei um die großformatigen „Ring- oder Spiral-Drucke“ von Annu Vertanen handelt, die Arbeiten des Thais Jakkee Kongkaew, der sich seine ganz speziellen „baren“ aus diversen Kugellagern baut, um Kim Mihyangs Mischtechniken aus Schnüren und Reliefpapier, Choi Jongsiks Arbeiten, die er unter Verwendung von Holzstäbchen druckt, oder um An Jeonmings Holzdrucke auf Silikon-Pigment-Farbträger, alle zeichnen sich aus durch innovative Auffassungen der alten Drucktechnik verbunden mit wenig Scheu vor orthodoxen Sichtweisen. Gerade durch diese grenzüberschreitenden Zugänge bleibt die uralte Technik des Holzschnittes lebendig und offen für Neuinterpretationen.

Ein gemeinsames Merkmal der koreanischen Arbeiten bildet vielleicht die Tatsache, dass man nie den Eindruck gewinnt, es würde versucht „westlich“ zu erscheinen (was man durchaus bei chinesischen oder auch japanischen KünstlerInnen gelegentlich findet). Was umgekehrt typisch koreanisch ist, scheint auch den Koreanern selbst nicht immer so klar zu sein. Im Gegenteil, die Suche nach einer authentischen, von außen unbeeinflussten „koreanischen Handschrift“ wird innerhalb der koreanischen Künstler-/Holzschneider-Community durchaus diskutiert.

Gerade die Nähe zu China und Japan, wohin naturgemäß (durch die rein geographische Nähe, durch das Vorbild der „großen Brüder“, auch durch das Fehlen von eigenen speziellen Angeboten in den nationalen Kunsthochschulen) viele KunststudentInnen zumindest zeitweise emigrieren, führt auch dazu, sich dann wieder besonders von diesen Einflüssen abzugrenzen und auf das Eigene zu besinnen.

Technisch betrachtet drucken die Koreaner „japanisch“ oder „chinesisch“, traditionell, mit Druckfarben auf Wasser- oder Ölbasis, oft auch im Reduktionsdruck. Thematisch zeigt sich wiederum eine riesige Bandbreite von traditionellen Themen – Landschaftliches, Figürliches – über moderne Motive wie Großstädtisches oder der Technik bis hin zu rein abstrakten Formen unterschiedlichster Ausformulierung. Ein wiederkehrendes – vielleicht für uns Europäer eher unerwartetes – Motiv stellen das Meer und der Wal dar. Das liegt aber wohl in erster Line daran, dass uns Korea als Nation der Fischer (und vormals Walfänger) nicht so geläufig ist. Wir denken heute eher an Industrie- (Autofabriken, Werften) und Elektronikprodukte(Mobiltelefone), die heute natürlich wesentlich mehr zum Bruttonationalprodukt des Landes beitragen. Was großteils fehlt, sind politische Bezüge (Nordkoreakonflikt/innere soziale Konflikte), – oder wir erkennen sie zu wenig.

Zwei interessante Aspekte noch zum Schluss: wie kommt eine Industriestadt wie Ulsan dazu, sich speziell für die Förderung des Holzschnittes einzusetzen? Neben dem persönlichen Engagement der Organisatoren und Veranstalter (Ulsan Woodcut Association), das immer primär zu sehen ist, mag auch ein Grund in den mehr als 2000 Jahre alten Bangudae-Petroglyphen zu erkennen sein, die ganz in der Nähe von Ulsan zu finden sind, auf einer Felswand am Fluss. Diese werden dort als die ältesten Vorläufer des Holzschnittes gesehen (im Sinne von Reliefs im Stein – parallel zum Relief der Holzdruckplatte; vgl. engl.: relief-print). Ein weiterer für uns etwas ungewöhnlicher Vergleich ergibt sich aus der Tradition als Industrie- und Arbeiterstadt. Industrieproduktion steht für mechanische Reproduktion von Gütern in hoher Stückzahl – und auch der Holzschnitt wird als mechanische, wenn auch künstlerische, Reproduktionstechnik gesehen, die eine „höhere Stückzahl“ ermöglicht. So wird eine Brücke geschlagen zwischen Industrie und Kunst. Wie ernst diese Verbindung tatsächlich genommen wird, zeigt sich nicht zuletzt in der großen Zahl von Sponsoren (die natürlich in erster Linie aus der Wirtschaft, der lokalen Industrie stammen), die das Festival erst möglich machen.

Zusammengefasst kann man den Veranstaltern des Ulsan Woodcut Festival, die weiterhin daran arbeiten, die Veranstaltung noch mehr zu vergrößern und noch mehr an Gewicht in der internationalen Druckgraphik-Welt zu gewinnen, zu ihrer Leistung gratulieren. Das Festival bietet mit seiner Reduktion auf nur Holzschnitte für Besucher und KünstlerInnen einen einmaligen Ort, um traditionellen Holzschnitt und neueste Trends in dieser Technik aus aller Welt zu erleben.

 

NEW TYPES. Drei Pioniere des hebräischen Grafik-Designs

Ausstellung im Museum für Druckkunst Leipzig

18. Juni bis 24. September 2017

Eröffnung am 18. Juni, 11:30 Uhr

 

Henri Friedlaender, Entwurf einer schmalen Version der Schrift Hadassah, 1967, © The Israel Museum, Jerusalem by Elie Posner

Die Ausstellung widmet sich drei Pionieren des hebräischen Grafik-Designs des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig ist sie ein Beispiel für den Kulturtransfer zwischen Deutschland und Israel. Franzisca Baruch, Henri Friedlaender und Moshe Spitzer wurden stark geprägt von ihrer Ausbildung sowie ihrem sozialen und künstlerischen Umfeld in Deutschland vor 1933. Sie lebten in Leipzig bzw. Berlin und wurden vom Werkbund und dem Bauhaus beeinflusst. Die Schriften und Symbole der drei Gestalter sind bis heute  im öffentlichen Raum, der hebräische Buchgestaltung und diversen Printmedien in Israel präsent. Daher kommt Ihnen eine Schlüsselrolle für die Entwicklung des grafischen Designs in Israel zu. „New Types“ zeigt Exponate aus Israel und Deutschland und gibt einen einzigartigen Einblick in das Schaffen dieser drei Künstler. Neben Skizzen, Schriftentwürfen und Musterbüchern werden auch hebräische Matrizen und Lettern gezeigt.

Die Schau wurde 2015/16 im Israel Museum in Jerusalem gezeigt und nun von der Kuratorin Ada Wardi exklusiv für Leipzig adaptiert.

 

Kuratorenführung mit Ada Wardi,  Sonntag, 18.6., 15 Uhr (in englischer Sprache mit deutschen Erläuterungen)

Öffentliche Führungen, sonntags, 12 Uhr: 25.6., 16.7., 20.8., 17.9.

Führungen 60+, dienstags, 15 Uhr: 20.6., 5.9. (Für Besucher 60+ gilt an diesen Tagen der ermäßigte Eintritt)

Vortrag: Mittwoch, 21.6., 19 Uhr, „Knotenpunkt Leipzig. Druck und Vertrieb jüdischer Bücher im 19. und frühen 20. Jahrhundert“ von Dr. Arndt Engelhardt (Franz Rosenzweig Minerva Research Center Jerusalem/Simon-Dubnow-Institut Leipzig)

Luther – Leipzig – Letterpress!

Martin Luther macht Druck.

Ausstellung im Museum für Druckkunst Leipzig

4. Mai bis 24. September 2017

Durch Interventionen in der Dauerausstellung und Mitmach-Stationen wird im Museum für Druckkunst Leipzig unter dem Motto “Luther – Leipzig – Letterpress” ein Stück Wirkungsgeschichte der Reformation erlebbar. Denn bis heute prägen Wortschöpfungen Martin Luthers die deutsche Sprache, hat die Lutherrose als frühes Markenzeichen das Copyright begründet und bilden freie Meinungsäußerung und Medien ein Grundrecht der Demokratie.

Die Durchsetzung der Reformation und der Ideen Martin Luthers hätte ohne den Buchdruck nie die uns heute bekannte Dynamik erfahren. Leipzig, zur Frühzeit der Reformation bereits ein bedeutender Druckort, spielte dabei eine wesentliche Rolle. Hier druckte Melchior Lotter 1518 in seiner Offizin frühe Schriften des Reformators, bevor er ab 1520 seine berühmte Druckerei in Wittenberg etablierte.

Zum Reformationsjubiläum erleben Besucher in den authentischen Werkstätten des Museums für Druckkunst die Entstehung von Druckmedien um 1500. In der Schriftgießerei wird vor den Augen der Besucher eine Schwabacher gegossen – die gebräuchlichste Schrift der Reformationsdrucke. Und unter dem Motto „Setze und drucke deine eigene These“ kann man wie zur Zeit Luthers im Handsatz eigene Texte aus Bleilettern herstellen. Wie damals Printmedien vervielfältigt wurden, wird an einer historischen Handpresse vorgeführt. Verdeutlicht wird dabei auch der enorme Arbeitsaufwand für Druckschriften, die in der Lutherzeit bereits hohe Auflagen erreichten und die Welt nachhaltig veränderten.

 

Begleitprogramm

Öffentliche Führungen, sonntags, 12 Uhr: 21.5.,11.6., 2.7., 6.8., 10.9., 24.9.

Öffentliche Führungen anlässlich des Kirchentags auf dem Weg: 25.5., 26.5. und 27.5. jeweils 15 Uhr

Führung 60+, dienstags, 15 Uhr: 23.5., 15.8., 19.9. (ganztags ermäßigter Eintritt für Besucher 60+)

Weitere Termine

6.5., 18-24 Uhr: Museumsnacht Halle – Leipzig

21.5., 11-17 Uhr: Internationaler Museumstag (freier Eintritt)

 

www.druckkunst-museum.de

Tschichold in St. Gallen

Der Leipziger Typograf Jan Tschichold und seine Arbeitsbibliothek.

MUSEUM FÜR DRUCKKUNST LEIPZIG

5. März – 14. Mai 2017

Eröffnung: 3. März, 18 Uhr

 

Mit der Ausstellung „Tschichold in St. Gallen“ zeigt das Museum für Druckkunst Leipzig in 24 Vitrinen einen Querschnitt durch die Arbeitsbibliothek des in Leipzig geborenen Typografen Jan Tschichold (1902-1974). Die Dokumente, die seit 2010 in der Kantonsbibliothek Vadiana in St. Gallen aufbewahrt werden, werfen ein neues Licht auf seine Persönlichkeit und sein Werk.

Neben Büchern und Broschüren umfasst die Arbeitsbibliothek eine Vielzahl von Archivalien: Briefe, handschriftlich verfasste Kommentare, Notizen, Zeitungsausschnitte, Fotografien und Originalillustrationen. Es handelt sich um einen Schatz an Zeugnissen zur Geschichte der europäischen Typografie des 20. Jahrhunderts. Gezeigt werden unter anderem Bücher des britischen Penguin Verlages, die Tschichold 1947-49 typografisch reformierte sowie unzählige Dokumente, die er nahezu pedantisch mit Kommentaren und Korrekturen zu Gestaltung oder Rechtschreibung versah.

Jan Tschichold wurde 1902 in Leipzig geboren und besuchte hier die Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe (heute Hochschule für Grafik und Buchkunst). Schon früh wurde er vom Bauhaus beeinflusst. Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine avantgardistischen Arbeiten und vor allem durch sein Buch Die Neue Typographie (1928). 1925 verließ er Leipzig, war zunächst in Berlin tätig und ließ sich 1926 in München nieder. Neben seiner Tätigkeit als freischaffender Gestalter lehrte er an verschiedenen Hochschulen. 1933 emigrierte er in die Schweiz und lebte dort mit kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Tod 1974.

Der Schweizer Typograf Jost Hochuli beschäftigt sich seit langem mit dem Schaffen Tschicholds und kuratierte diese Ausstellung 2016 für die Kantonsbibliothek Vadiana in St. Gallen. Mit der Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia kann die beeindruckende Schau nun auch in Deutschland, im Museum für Druckkunst Leipzig, gezeigt werden. Neben der Arbeitsbibliothek in St. Gallen befinden sich weitere Teile des Nachlasses von Jan Tschichold im Deutschen Buch- und Schriftmuseum in Leipzig, sowie im Getty-Forschungszentrum in Los Angeles.

Das Begleitbuch zur Ausstellung von Jost Hochuli ist für 28 Euro im Museumsshop erhältlich.

 

Begleitprogramm

Öffentliche Führungen, sonntags, 12 Uhr: 3.3., 26.3., 9.4. und 23.4.

Führung 60+, dienstags, 14.3. und 11.4., 15 Uhr (halber Eintrittspreis für Besucher 60+)

 

Museum für Druckkunst Leipzig

Nonnenstraße 38

D-04229 Leipzig

Tel.: +49 341 / 231 62-0

info@druckkunst-museum.de

www.druckkunst-museum.de

facebook.com/museumfuerdruckkunst

34. Leipziger Grafikbörse PASSAGE

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PASSAGE ist der Leitgedanke unter dem in diesem Jahr 80 Künstlerinnen und Künstler mehrerer Generationen aus Mitteldeutschland ihre seit 2014 entstandenen Arbeiten vorstellen. Präsentiert werden rund 100 Werke, die mit Hilfe verschiedenster Drucktechniken aufs Papier gebracht wurden. Vom Holzschnitt über Radierungen bis hin zu Siebdruck und Lithografie – auch Eigentechniken und Kombinationsverfahren kamen zum Einsatz. Besonders spannend ist das Zusammenspiel aus den facettenreichen historischen Techniken und der unterschiedlichen Herangehensweise zeitgenössischer Künstler an das weitgreifende Thema PASSAGE.

Seit seiner Gründung im Jahr 1972 beschäftigt sich der Verein Leipziger Grafikbörse e.V mit der Präsentation zeitgenössischer Grafiken, die mittels klassischer oder moderner Drucktechniken entstehen. Zu diesem Zweck entstand vor 44 Jahren die Ausstellungsreihe Leipziger Grafikbörse die zunächst jährlich ausgerichtet wurde und inzwischen als Biennale stattfindet. Mit der 34. Ausgabe ist die Leipziger Grafikbörse bereits zum dritten Mal zu Gast im Museum für Druckkunst.

Der Verein Leipziger Grafikbörse e.V besteht aus einer kleinen, sehr engagierten Gruppe Leipziger Künstler, deren Arbeit auch über Sachsen und Mitteldeutschland hinaus in anderen europäischen Ländern als wertvoller Kulturbeitrag geschätzt wird. Die Leipziger Grafikbörse zählt neben den „100 Sächsischen Grafiken” und dem „Sächsischen Druckgrafiksymposion” zu den wichtigsten Veranstaltungen auf dem Gebiet der aktuellen Druckgrafik in Sachsen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einer Übersicht aller Arbeiten. Erhältlich im Museumsshop für 10 Euro. Alle Arbeiten lassen sich zudem käuflich erwerben.

 

Begleitprogramm

Öffentliche Führungen jeweils sonntags, 12 Uhr: 4.12.2016 sowie 8. + 22.1.2017

Workshop „Radierung“ mit der Künstlerin Madeleine Heublein (Leipzig): 15.1.17, 14 – 16 Uhr

Führung 60+: Dienstag, 17.1.17, 15 Uhr (halber Eintrittspreis für Besucher ab 60 Jahren)

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Museum für Druckkunst Leipzig

Nonnenstraße 38

D-04229 Leipzig

Tel.: +49 341 / 231 62-0

info@druckkunst-museum.de

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Gedrucktes bleibt. 25 Jahre Wiedergründung des Leipziger Bibliophilen-Abends

Leipziger Bibliophilen-Abend e.V. (Logo)

Leipziger Bibliophilen-Abend e.V. (Logo)

AUSSTELLUNG IM MUSEUM FÜR DRUCKKUNST LEIPZIG

30.10.2016 BIS 12.02.2017 (verlängert!)

 

Der Leipziger Bibliophilen-Abend e.V. (LBA) ist mit einer Kabinettausstellung zu Gast im Museum für Druckkunst Leipzig. Anhand von Grafiken, Büchern, Druckplatten und Dokumenten wird die Gesamtentwicklung des LBA seit 1904 und damit auch ein wichtiges Kapitel Leipziger Druck- und Mediengeschichte nachgezeichnet. Am 8. Januar 1991 wurde der Leipziger Bibliophilen-Abend e. V. unter dem Namen des von 1904 bis 1933 existierenden Vorgängervereins wiedergegründet. Anknüpfend an dessen hohe Ansprüche an Qualität hat es sich der LBA unter dem Motto „Literatur – Bücher – Grafik“ heute zur Aufgabe gemacht, einen Beitrag zur Leipziger Buchkunst zu leisten und dabei Leipziger Künstler und die grafische Industrie der Stadt zu fördern.

Bibliophile Editionsreihen (c) Gaby Waldek

Bibliophile Editionsreihen (c) Gaby Waldek

1904 erfolgte die Gründung des LBA zu dem Zeitpunkt, als Leipzig uneingeschränkt Deutschlands bedeutendste Stadt der grafischen Industrie und wichtigster Verlagsstandort war. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Inflation erfolgte in der Weimarer Republik ein erneuter Aufstieg des Vereins, der im Frühjahr 1933 ein jähes Ende fand. In der DDR versuchten Leipziger Buchliebhaber, diese Vorkriegserfolge wieder aufzunehmen und weiterzuführen, was dem chronischen Mangel an Papier und anderen Kapazitäten geschuldet nur teilweise gelang. Erst nach der politischen Wende konnte 1991 – wieder unter dem alten Namen – eine Neugründung erfolgen.

25 Jahre Neugründung ist für den amtierenden Vorstand des LBA nun der Anlass, erstmalig den gesamten Werdegang des Vereins in einer Ausstellung zu präsentieren. Wertvolle Bücher, Original-Grafiken, Plakate, Druckplatten und Dokumente zeichnen die 112-jährige Geschichte des Vereins nach und streifen ebenso die Historie der Buchstadt Leipzig mit ihren Höhen und Tiefen.

Der Fokus der Ausstellung liegt auf der Qualität und der Vielfalt der rund 110 Drucke, die in den letzten 25 Jahren vom LBA verlegt wurden. Das gemeinsame Merkmal aller Drucke besteht in exklusiver und sorgfältiger Gestaltung, einer hochwertigen Ausstattung in Verbindung mit Original-Druckgrafik. Alle Ausgaben erscheinen in kleinen limitierten Auflagen, sind signiert und nummeriert.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit vielen Abbildungen und einer Bibliografie zur Dokumentation der in den letzten fünf Jahren erschienenen Drucke des LBA.

 

Begleitprogramm:

Öffentliche Führungen, sonntags, 12 Uhr: 6.11.2016, 15.1.2017

Führung 60+: Dienstag, 29.11., 15 Uhr (halber Eintrittspreis für Besucher ab 60 Jahren)

 

Museum für Druckkunst Leipzig

Nonnenstraße 38

D-04229 Leipzig

Tel.: +49 341 / 231 62-0

info@druckkunst-museum.de

www.druckkunst-museum.de

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Hinter den Pfaden – Holzschnitte von Gabriele Sperlich

Die Ausstellung „Hinter den Pfaden“ zeigt noch bis zum 29.10.2016 Arbeiten der Leipziger Künstlerin aus den letzten beiden Jahren. In einer Ausstellung mit Ölbildern und Grafiken von Gabriele Sperlich im Westphalschen Haus Markkleeberg sprach ich über ihre Bilder als „Traumlandschaften“. Die Titel ihrer Bilder („Treibgut“, „Hinter den Pfaden“, „Selbstgespräch“, „Schwebend“) geben uns einen Eindruck von Momenten zwischen verschiedenen Zuständen. Veränderungen, die vielleicht gerade stattgefunden haben, erhofft oder befürchtet werden oder unmittelbar bevorstehen…

Gabriele Sperlichs Arbeiten sind m. E. Bilder einer Suche nach Verstehen und nach Verständigung. Zunächst geschieht diese Verständigung der Künstlerin mit sich selbst: es geht ihr um das Ordnen des alltäglich Erfahrenen – des hinzu Gekommenen wie des Verlorenen. Es geht des Weiteren auch um eine Art täglicher Verteidigung: nämlich der des kreativen Prozesses, dessen Ergebnis sich einer „Messung als Mehrwert“ zunächst in der Regel entzieht.

Doch die Suche nach Verständigung endet natürlich nicht hier, sondern ist parallel auch eine nonverbale Ansprache an den imaginär Anderen, also das betrachtende Subjekt. Dafür sprechen die reihenartig wiederkehrenden Titel und auch die Bildinhalte selbst: das Gebunden- und Verbunden-Sein in verschiedensten Beziehungen, um es ganz allgemein zu fassen.

Der künstlerisch antreibende Aspekt ist bei Gabriele Sperlich einer der Selbstvergewisserung, meine ich – im Sinne eines Modells, in welches man zunächst aus einem inneren und vielleicht unbewussten Drang eintauchte, das man aber als Künstler ab einem bestimmten Punkt zunehmend bewusst lebt. Zunächst ist ja der Sinn der Selbstvergewisserung, ein Stück „innere Unabhängigkeit“ zu erlangen – und sei es auch nur die Illusion, das eigene Tun bewusster bestimmen und damit verbundene Veränderungen einordnen zu können. Mit und durch die künstlerische Arbeit stellt man zugleich das „Modell der Selbstvergewisserung“ den anderen, den Betrachtenden, zur Verfügung und gewährt so Einblicke in eine sehr persönliche Art der Auseinandersetzung. Gabriele Sperlich führt diese auf eine Weise, mit der sie ihre Bilder weit hinter den äußeren Erscheinungen sucht.

Vor ungefähr 100 Jahren entstand die Kunstrichtung des Surrealismus. Was damals als „überhöht“ und „absurd, fremd, fantastisch“ in die Texte, Bilder und Filme einzog, ist also über mehrere Generationen längst Bildgewohnheit geworden. Somit ist auch die Frage nach einer „realistischen“, im Sinne von „erkennbarer“ Bildkunst eine wirklich überholte Frage. Die Frage, was man im künstlerischen Sinne als real abbildend, als „wirklich“ empfindet, ist eigentlich nur noch individuell zu stellen. Wenn ich mich heute in einer bestimmten Bildwelt „zu Hause“ fühle, mich in ihr in irgendeiner Weise wiederfinde – produzierend oder rezipierend – dann ist es leichter denn je, mir diese Bildwelt zu vervielfachen, sie zu animieren, geradezu zu verlebendigen. Künstlerische Bilder zu schaffen ist allerdings ohne die Fähigkeit der Imagination nicht denkbar, sieht man vom reinen Kopieren ab. In diese Imagination fließt alles ein, was als Bildzeichen für den Künstler wahrnehmbar ist. Wahrnehmen bedeutet aber auswählen – und auszuwählen ist umso schwieriger, je mehr es gibt. Und hier sprechen wir nun schon gewohnheitsmäßig von „Bilder-Strömen“… Diese freilich nur die Zusammenhänge antippenden Überlegungen scheinen mir wichtig, will man sich der Bildwelt von Gabriele Sperlich nähern. Man sollte eine Vorstellung davon entwickeln, dass die Elemente in ihren Bildern (z.B. die Schlingen, die sich aufschwingenden Linien und Schweifformen oder die transparenten Ellipsenformen) in sich empfunden und gedacht sind. (Mit einem Blick, der nach erkennbaren Formen der Alltagswelt sucht, kommt man hier eventuell nicht weit.)

Doch wenn man sich vergegenwärtigt, dass jede der Formen in ein Material (Holz oder Linoleum) hineingegraben wurde, dass das Messer dabei den Bildraum in verschiedenste Richtung durchschneidet, dann kann man die ganz und gar „reale Selbstverständlichkeit“ einer sich formenden Linie oder Fläche ganz anders erfassen. Und vergleicht man ihre Grafiken der letzten beiden Jahre mit den früheren, dann meine ich, dass Gabriele Sperlich ihre Formen nun etwas anders und den Bildraum damit klarer strukturierend einsetzt. Waren es in früheren Bildern häufiger netzartig verwobene, sich überlagernde Strukturen, finden wir in vielen ihrer neueren Arbeiten größere freie Räume, die in ihren Farbwerten strahlen und den Bildern Raum, Tiefe und Weite geben, zugleich das Schwebende der Figuren betonen.

Ich sage bewusst „Figur“, denn um diese kreist Gabriele Sperlich fast in jedem ihrer Bilder. Manch einem mag das Erkennen solcher hier vielleicht fern liegen – auch das hat natürlich mit den eingangs erwähnten Bild- und Sehgewohnheiten zu tun. Die Figur ist bei Gabriele Sperlich zum einen universell zu verstehen – in dem Sinn, dass sie bildnerisch in Beziehung gesetzt wird und diese bildnerische Verortung einer inneren Suche nach Klärung entspricht. Zum anderen ist die Figur auch in der äußerlichen Wahrnehmbarkeit von einer konkreten individuellen Zuordnung befreit – sie wird assoziativ behandelt und kann auch nur assoziativ erfasst werden. Wie weit Gabriele Sperlich dabei mitunter geht, lässt das Bild „Hervortreten“ erkennen. Hier tritt uns eine Figur genauso schlicht wie magisch zugleich aus dem Bildraum entgegen – die verblüffende und „erhellende“ Wirkung entsteht ganz allein aus der Art des Druckens: nämlich dass die Fläche der Figur nicht ganz ausgedruckt hat, wir hier die Maserung des Holzes sehen, was der Figur Verletzlichkeit und Sprödigkeit verleiht. Und weil es zugleich die hellste Stelle im Bild bleibt, bekommt diese Figur etwas aus sich Strahlendes und verleiht dem Bild etwas Magisches, was aber ungekünstelt und schlicht formuliert wurde. Dabei spielt es für die Künstlerin keine Rolle, wie diese Figur aussieht. Und mit dieser Art von Unbestimmtheit gelingt es ihr, etwas tiefer Liegendes sichtbar und erfassbar zu machen.

Ihre Blätter entstehen nicht aus einer raffinierten Vorabplanung – soviel meine ich zu wissen. In ihren Blättern erleben wir insofern etwas Besonderes, als wir hier auf eine Art „Denken und Empfinden in Farbe“ treffen. Mit jeder neuen Farbe taucht die Künstlerin in eine andere Nuance des Bild- und Denkprozesses ein. Fragt man sie nach der Anzahl der Druckprozesse, also wie oft sie das Holz oder Linoleum neu eingefärbt hat, so weiß sie es am Ende oft selbst nur noch zu schätzen: „vielleicht zwölf Mal“ oder „mindestens vierzehn Mal“. Um wenigstens kleine Hinweise auf ihr Arbeit mit der Farbe zu geben, sei darauf verwiesen, dass sie die Möglichkeiten der Druckfarbe, lasierend (also durchscheinend) oder deckend (also abdeckend) zu sein, mit großer Perfektion ausnutzt. Das bedeutet, dass sie zum einen die Farben im Bild von Druckgang zu Druckgang weiter verändert, indem sie immer neue Pigmente hinzugibt – auf diese Weise kann sie ein helles kühles Rot etwa im Laufe von mehreren Druckgängen zu einem Orange, zu einem Englischrot oder später noch zu einem tiefroten Braunviolett werden lassen. Zum anderen nutzt sie die deckende Wirkung, in dem sie Farben mit einem ganz anderen Ton (bspw. hellblau über dunkelrot) überdruckt, ohne dass diese noch durchscheinen. Um die Komplexität des Ganzen erfassen zu können, muss man nun noch einen weiteren Aspekt ihrer Arbeitsweise bedenken – nämlich das Drucken mit verlorener Form. Und auch hierin ist sie eine Meisterin! Die meisten der unglaublich vielschichtigen Bilder, die Sie in der Ausstellung sehen, sind mit dem Prinzip der verlorenen Form gedruckt. Das heißt, Gabriele Sperlich druckt immer und immer wieder von einem, maximal zwei Druckstöcken und verändert dabei die Platte durch verschieden weitgreifende Einschnitte ins Bild – dabei gibt es aber nur eine Richtung, die des Wegschneidens. Ein Hinzugeben würde immer eine neue, weitere Druckform benötigen.

Besonders ist hier also das Zusammenwirken von beidem – dem Arbeiten mit verlorener Form und zugleich dieser sich durch die Farben bewegenden Arbeitsweise. Dabei befindet sie sich in einem ganz eigenen Rhythmus aus intuitiv suchenden Phasen und reflektiert agierenden Phasen.

Galerie für Holzschnitt und Hochdruck
Lützner Str. 85, 04177 Leipzig
www.hoch-und-partner.com

Barbara Anna Husar: Neue Druckgrafiken

Barbara Husar zeigt neue Druckgrafiken in zwei deutschen Galerien.

Von Thomas König

Die österreichische Künstlerin Barbara Husar geht druckkünstlerisch ihren eigenen Weg. Und zwar benutzt sie unterschiedlichste Stempel, also kleine Hochdruckformen, die von ihr auf den Druckträger, meist Papier, händisch aufgetragen werden. Mit Stempeln, die sowohl figural als auch rein schriftlich ausgeformt sind, arbeitet sie seit 2007. Derzeit verfügt Barbara Husar über rund 1.680 verschiedener Stempel. Es ist ihr Mischpult, sie nennt es auch ihre analoge Festplatte, worin sie alle wesentlichen Aspekte rund um ihr Kernthema Reizweiterleitung speichert und neu verknüpft.

Barbara Husar hat jahrzehntelang immer wieder in der Wüste im Sinai gelebt, wo sie eine Ziegenherde besitzt, die von Beduininnen gehütet wird. Die Erfahrungen in der Wüste haben sie geprägt, sowohl durch den sternenklaren Himmel in der kalten Nacht kosmisch spirituell als auch bestens geerdet durch die Teilnahme am archaischen Leben der Beduinen. Ihr Atelier befindet sich seit einem Jahr im obersten Stockwerk eines turmähnlichen Gewerbegebäudes in Wien, auf dessen offener Freiraumfläche transformiert sie viele wesentliche Erfahrungen aus dem einfachen Leben in der Wüste mitten in die Großstadt.

Für die 2007 gegründete Venet-Haus Galerie in Neu-Ulm, Bayern, die seit 2013 unter einer neuen Führung steht, hat Barbara Husar die dreiteilige Druckgrafikedition „HOCHFREQUENZ § Münster“ geschaffen. Der Editionstitel bezieht sich auf die kosmisch-sphärische Strahlung, die sich in der Spitze des Turms konzentriert und von dort über das Bauwerk des Münsters mit der Erde verbunden wird. Es handelt sich dabei um drei verschiedene historische Ansichten des Ulmer Münsters, auf Bütten reproduziert, die jeweils von der Künstlerin händisch mit Farbe (Tusche bzw. Acryl) koloriert und mit ca. fünf Stempeldrucken versehen wurden. Auf den Passepartouts, in denen sich die Blätter befinden, sind jeweils die Titel der drei Sujets aufgestempelt. „HOCHFREQUENZ“ mit dem Kopf von Marilyn Monroe, dem allerersten Stempel von Barbara Husar, gekrönt mit einem Euter, „VIBRATION im Inneren sowie im Äußeren der Raumkrümmung“ mit den Libellenflügeln am Turm, einem Insekt von dem sich zwei Arten aus der Triaszeit bis heute erhalten haben, und „WELTEN IM DREHMOMENT“ mit einem Raumschiff sowie zwei an Fritteusen wie an Fallschirmen schwebende Elfen ohne Flügel. Bei den Sujets „HOCHFREQUENZ“ und „WELTEN IM DREHMOMENT“ wurde jeweils zusätzlich auf der Vertikalen des Turms eine geometrische Konstruktion mit einer zentrischen Sphäre aus Pentagonen platziert.

Da die Blätter in Handarbeit bearbeitet wurden, sind sie unterschiedlich und daher voneinander geringfügig abweichende Originale. Die Auflage pro Sujet beträgt jeweils fünf arabisch nummerierte Exemplare dazu zwei e.d.e und ein e.d.a. Die Größe der Arbeiten einschließlich Passepartout, in das sie fix montiert sind beträgt 30 x 40 cm. Sämtliche Blätter sind bis ins Passepartout hineinragend signiert. In der Ausstellung werden auch zugehörige Entwurfsskizzen und weitere Variationen gezeigt.

Die Ausstellung „HOCHFREQUENZ § Münster“ findet in der Venet-Haus Galerie, Bahnhofstraße 41, 89231 Neu-Ulm, vom 13. Oktober bis zum 12. November 2016 statt. www.galerie-im-venet-haus.de

Vom 15. Oktober bis 12. November 2016, also fast gleichzeitig, werden in der Galerie Michael Schultz, Mommsenstraße 34, 10629 Berlin, Arbeiten der Künstlerin unter dem Titel „Avantgarde der Teilchenbeschleuniger“ zu sehen sein. www.schultzberlin.com

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