Stančič und Frelih im Renner-Institut

Zora Stančič, Črtomir Frelih

Slowenische Druckgraphik im Renner-Institut

 

Slowenische Druckgraphik genießt in der Welt der Kunst einen hervorragenden Ruf. Mit der Biennale in Ljubljana schuf Slowenien ein internationales Forum, in dem aktuelle Tendenzen aus aller Welt vorgestellt und diskutiert wurden. Daher konnten slowenische KünstlerInnen quasi im eigenen Haus das Neueste sehen und beurteilen. Gleichzeitig leisteten die slowenischen KünstlerInnen mit ästhetischen Ideen und technischen Feinheiten wichtige Beiträge zur internationalen Druckgraphik. Heute gibt es in Slowenien Druckgraphiken aller internationalen Ismen: Konkrete und geometrische Kunst, abstrakte Formensprachen und gesellschaftlich engagierte realistische Ausdrucksformen.

In Österreich wurde Druckgraphik aus Slowenien immer wieder mit großem Interesse rezipiert, zuletzt im Wiener Künstlerhaus in der großen, von Alexander Bassin kuratierten Ausstellung sowie im Klagenfurter Künstlerhaus in der von Petar Waldegg getroffenen Auswahl internationaler Druckgraphik des 20. Jahrhunderts.

Für unsere Ausstellung im Renner-Institut habe ich eine Künstlerin und einen Künstler ausgewählt, die mit ihren Arbeiten gesellschaftlich relevante Aussagen treffen und gleichzeitig das Medium Druckgraphik in seiner technisch-ästhetischen Dimension weiterentwickeln.

Zora Stančič

Erstmals konnte ich Arbeiten von Zora Stančič vor vielen Jahren in der Kleinen Galerie zeigen. Damals übertrug sie digitale Fotos ihrer kleinen Linolschnitte extrem vergrößert, versehen mit Zeitungsausrissen im Hintergrund, auf Siebe und schuf Siebdrucke von beeindruckenden Formaten. Nun hat sie sich, nachdem die Übertragung einfacher holz- oder linolgeschnitter Zeichen auf vielfältigste Methoden ausprobiert wurde – Michael Schneider hat mit seinem Werk „übertragung“ in der U-Bahn-Station Johnstraße wohl das Maximum in dieser Methode herausgeholt – in ihrer Arbeit wieder auf die einfachen, in Linol geschnittenen Zeichen menschlichen Daseins beschränkt. Wir sehen empfindsam und mit großer Empathie gestaltete Figuren inmitten ihrer Aura oder einer sie umgebenden Atmosphäre. Die Figuren sind Träger von Stimmungen und vermitteln den BetrachterInnen Erkenntnisse über seelische Zustände der Menschen. Aufs Einfachste reduziert, zeigt der menschliche Körper selbst beredsame Grundhaltungen, die wir in der Fülle der detailreichen, farbigen Digitalfotografie aktueller Medienberichte kaum mehr wahrzunehmen in der Lage sind.

Črtomir Frelih

Als Professor für Kunsterziehung an der Pädagogischen Fakultät der Universität Ljubljana bemüht sich Črtomir Frelih schon allein berufsbedingt darum, treffende künstlerische Ausdrucksformen zu finden und in der Druckgraphik technische Methoden zu entwickeln, die in ihrem Zusammenwirken ermöglichen, effizient herstellbare und wirksame Bilder zu gestalten. Das seit einigen Jahren wichtigste Bildsymbol für Frelih ist der Fuchs, seine bevorzugte Methode die Kollagraphie, eine der Radierung verwandte Methode. In Frelihs Blättern eilen Füchse einzeln oder in Formation dahin, umgeben von kurzen Schriftzeichen oder Wörtern oder Bildkürzeln, wie dem charakteristischen dreiköpfigen Berggipfel, dem Triglav, dem slowenischen Wappenberg. Witzig, zynisch, provokant wirken die comichaften Zeichen, die nie eindeutig sind, sondern immer Denk-Variationen nahelegen, beunruhigen und verwirren. Insofern sind Frelihs Kollagraphien Trainingsstunden für den Umgang mit der Vielfalt der Nachrichten- und Zeitungsbilder.

Philipp Maurer

Eröffnung am 7. März 2016 um 18 Uhr

Renner-Institut, 1120 Wien, Khleslplatz 12

Die Ausstellung ist bis 30. September 2016 zu besichtigen: Mo–Do 8.00–17.00 und Fr 8.00–13.00

 

Zora Stančič Schatten. 2015, Linoschnitt, 60 x 44 cm

Zora Stančič Schatten. 2015, Linoschnitt, 60 x 44 cm

Črtomir Frelich, To the North. 2015, Radierung, 41,5 x 29 cm

Črtomir Frelich, To the North. 2015, Radierung, 41,5 x 29 cm

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